Farbpsychologie

„Die Farben beeinflussen unser Leben und unsere momentane Stimmung“, war Designer Verner Panton überzeugt. Wie sein Landsmann Gunnar Aagaard Andersen, der bereits zuvor begonnen hatte, mit Farben, Materialstrukturen und Formen zu experimentieren, wusste auch Panton, dass Farben sowohl eine heitere als auch eine bedrückte Atmosphäre erzeugen können. Für viele Menschen sei Farbe sogar wichtiger als Form, wenn sie einen Gegenstand betrachteten oder etwas erlebten. „Es wäre ideal, wenn man seinen Raum je nach Gemütslage, Tages- und Jahreszeit verändern könnte“, konstatierte Panton.

„Grelle Farben haben mich immer fasziniert“

Wie seinerzeit keine anderen Designer wussten die beiden Dänen um die Wirkung von Farben auf die menschliche Psyche. Heute ist das Wissen um die Wirkung von Farben weitestgehend erforscht. Gezielt werden Farben im geschäftlichen Bereich eingesetzt. Unterstützen sie doch die nonverbale Kommunikation mit dem Kunden und transportieren gezielt die gewünschten Aussagen. Bereits während Ihrer Ausbildung setzten sich Aagaard Andersen und später auch Panton mit dem Thema Farbpsychologie eingehend auseinander. Panton ließ die Faszination bis zu seinem Tode nicht mehr los. Die Farben des Regenbogens hatten es ihm besonders angetan. Panton: „So bin ich eben: Grelle Farben haben mich immer fasziniert. Aber sie müssen rein sein.“ Diese „reinen“ Farben spenden die größte Lebenskraft und Energie, wobei jede einzelne eine einzigartige Schwingungsfrequenz hat. Gerne kombinierte Panton einzelne Töne miteinander, dann nach Möglichkeit in ihrer natürlichen Abfolge. Sein eigenes Zuhause tauchte der Däne raumweise in gelb, grün, blau oder rot. Vor allem bei Projekten in den 1960er und 1970er Jahren setzte Panton Farben exzessiv ein. So auch bei der Retrospektive, die er im dänischen Kolding vorbereitete, als er unerwartet starb.

Wärme und Geborgenheit

Farben können Wärme und Energie spenden. Räume in Orangetönen, Pinktönen und Rottönen etwa, werden subjektiv automatisch immer wärmer wahrgenommen. Im Rahmen der sieben Chakren bilden Rottöne die unterste Ebene, das sogenannte Wurzelchakra. Die Farbe steht für das Urvertrauen. Im soziokulturellen Kontext wird Rot als Signalfarbe wahrgenommen. Gleichzeitig bewirken Rottöne eine Verkleinerung des Raumes. Panton beispielsweise, setzte diese sogenannten „Uterusfarben“ bewusst ein, um Wohnhöhlen voller Geborgenheit zu schaffen. So erzeugen seine skulpturalen Sitzmöbel, in eben diesen Farben gehalten, beim Sitzenden ein Raum-in-Raum-Gefühl. Gesteigert wird diese Behaglichkeit bisweilen durch Rückenlehnen, die bis über den Kopf reichen wie beispielsweise bei der Amoebe Highback und in ganz besonderem Maße beim Living Tower, beides von vitra.

Werbeplattform Visiona

So erreichte die Panton Ära mit all ihren Farbflashs einen spektakulären Höhepunkt in den Visiona Ausstellungen, mit denen die Bayer AG Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre Furore machte. Ursprünglich hatte der Chemie Gigant das Rheinschiff „Loreley“ nur gechartert, um gleich neben der Kölner Möbelmesse mit einer Heimtextil Ausstellung Werbung für seine bi-elastische Kunstfaser Dralon zu machen. Doch nachdem der Däne Verner Panton (1926 – 1998) für das Jahr 1968 mit dem Ausstellungsarrangement beauftragt worden war, änderte sich die Perspektive auf einen Schlag. Fortan wurde jedes Jahr ein anderer Designer zur Gestaltung futuristischer Wohninszenierungen engagiert. Sie machten dem Titel ‚Visiona‘ alle Ehre.

Kalte Farben erzeugen Weite

Das Gegenteil des bereits Beschriebenen bewirken die so genannten „Kalten Farben“. Die Blaugrün-Nuancen schaffen eine kühle Atmosphäre und Weite. So erscheinen Räume, in kühlen Tönen gestrichen, optisch größer. Blau symbolisiert Vertrauen und wird daher gerne in er Finanzwelt eingesetzt. Aber auch Sozial Media Plattformen wie Facebook und Twitter machen sich die Macht der Blautöne zunutze. Grün dagegen steht für Natur, Gesundheit und schließlich auch Gelassenheit und Erholung. Blautöne und Grüntöne gibt es in mannigfaltigen Farbabstufungen. Sie lassen sich in einem Raum sehr gut kombinieren. Smaragdgrün beispielsweise wurde von Panton in einem Korridor der Visiona 2 Ausstellung eingesetzt. Ein anderes Mal kleidetet er einen Bereich im Spiegel Redaktionshaus in Grün und kombinierte dazu opulente Muschelleuchten aus der FUN Leuchtenserie.

Individuelle Unterschiede

Wie Farben wahrgenommen werden, hängt letztlich nicht nur von der Farbe an sich, sondern zudem auch vom Kulturkreis ab. Asiaten beispielsweise empfinden Farben anders als Europäer. Auch der Lebensraum spielt dabei eine wichtige Rolle und zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Kulturkreisen. Doch ganz gleich, wo jemand wohnt, wie eine Farbe wahrgenommen wird und welche Wirkung von ihr ausgeht, eines gilt sicherlich immer und hier möchten wir mit einem Panton-Zitat schließen: „Es sitzt sich bequemer auf einem Stuhl, dessen Farbe man mag.“

Farbe. Farbwahrnehmung. Gefühle.

Rot

„Daß rot den Puls beschleunigt, weiß doch jeder“, äußerte sich der Farbenspezialist Verner Panton einmal. Da ihre Wellen am langsamsten schwingen, ist rot tatsächlich die dichteste und schwerste aller Farben. Einerseits assoziieren wir Liebe und Leidenschaft mit rot, andererseits Gefahr. Ob der Ton positiv oder negativ empfunden wird, hängt mit seiner Intensität und individuellen Erfahrung jedes einzelnen zusammen. In jeden Fall erhöht rot die Körpertemperatur und heizt dem Blutkreislauf ein. Rot im Wohnzimmer regt zu Gesprächen an. Auch wenn er meistens in blau gekleidet war – Panton’s Lieblingsfarbe war rot.

Orange

Sie steht für Kreativität und Vitalität – orange kann sogar helfen, Hemmungen und unterdrückte Gefühle zu lösen. Gleichzeitig steht die Farbe des Genusses und des Vergnügens und fördert als solche auch den Humor. So kleidete Verner Panton die Kantine im Spiegel Redaktionshaus komplett in orange-rot.

Grün

Die Farbe, die eng verbunden ist mit der Natur, wurde in ihrer Reinheit, also als smaragdgrün von dem Dänen eigentlich nur einmal eingesetzt: in einem Verbindungsflur der Visiona 2. Hier wirkt der Gang zwischen zwei Räumen, mit grünen blasenartigen Wand- und Deckenvertäfelungen ausgekleidet, wie eine Neutralisationsschleuse. Grün steht nämlich auch für Entspannung, Ruhe und Ausgleich. Kullavej, das Ferienhaus der Panton’s war zunächst grasgrün, wurde später jedoch himmelbau umgestrichen.

BLAU

Blau am Arbeitsplatz fördert die Konzentration dient als geistige Inspiration. Das Meer ist blau und suggeriert Weite. Verner Panton kombinierte kalte Farben wie blau gerne mit etwas Warmen, ganz gleich ob durch eine andere Farbe oder durch Licht. Und noch etwas gilt es zu beachten: Verner Panton: „Im Alter wendet man sich eher den dunkleren und kälteren Farben zu.“

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Violett regt zur inneren Einkehr an und steht für Intuition und Hellsichtigkeit. Tatsächlich unterstützt violett die Einsicht und Wahrnehmung, hat also eine erhebende Wirkung. Das adelte sie wohl zur „Farbe der Könige“. Verner Panton setzte die Farbe gerne bei Leuchten wie der Ring Lamp oder dem Lichttisch Illumesa ein.

Gelb

Die Sonne ist gelb, Eidotter sind gelb und nicht zu vergessen Honig. Gelb eignet sich für die sonnigen Bereiche, die aufmuntern sollen, wie Fensterbereich oder Schlafzimmer. Doch gelb kann auch Negativ wirken. Ein Zuviel steht für Neid und kann Egoismus stärken. Daher empfiehlt es sich, gelb dezent einzusetzen.

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Schwarz schluckt das Licht, spendet damit also keine Energie, sondern saugt sie auf. So wie schwarze Kleidung kein Licht an die Haut lässt, wirkt sie sich auch bei der Raumgestaltung negativ aus. Mit weiss kombiniert und obendrein dezent eingesetzt, kann schwarz dagegen interessante Akzente setzen. Diesen Effekt machte Verner Panton sich bei der Gestaltung seiner Stoffe zu Nutze. Beste Beispiele: Geometri, VP I, VP III, VP VI und VP 7 oder Sinfonia white on black.

Weiss

„Ich mag kein weiss“, schreibt Verner Panton in seinem Buch Lidt om Farver / Notes on Colour. Weiss ist keine Farbe, sondern vielmehr die Abwesenheit von Farbe. Sie wird mit Unschuld und Reinheit assoziiert. Die Wirkung der Farbe kehrt sich in das Gegenteil, wird sie zu viel eingesetzt. Rein weiss gestaltete Räume wirken – trotz unterschiedlicher Materialien und Möbel – schnell leblos und steril. Und Panton fügte hinzu: „Die Welt wäre ein schönerer Ort ohne weiss. Weisse Farbe sollte besteuert werden.“