Die Biografie über den Dänischen Designer, Maler, Künstler und Architekten Gunnar Aagaard Andersen von Bianca Killmann für TAGWERC. Gunnar Aagaard Andersen mit seinem Entwurf eines Kragstuhl, Freischwinger aus dem Jahre 1952/53.

Gunnar Aagaard Andersen

Gunnar Aagaard Andersen (1919 – 1982) war ein dänischer Bildhauer, Künstler, Maler, Skulpturist und Grafiker, der auch im Bereich der Architektur und im Bereich des Einrichtungsdesigns tätig war. Aagaard Andersen gehört zur Skandinavischen Avantgarde und seine Entwürfe lassen sich dem Stil der Concrete Art Bewegung zuordnen. Sie gelten als Wegbereiter und Basis von Entwürfen vieler Künstler und Designer. Design Entwürfe von Gunnar Aagaard Andersen sind heute in renommierten Design Sammlungen vertreten und werden in Museen weltweit ausgestellt, unter anderem im Museum of Modern Art (MoMA), New York, USA.

Geometrische Muster und Farblehre

Gunnar Aagaard Andersens Arbeiten zeichnen sich durch seine – während seiner gesamten Schaffensperiode andauernden – Forschungshaltung aus. So studierte Aagaard Andersen die Gesetze der Wissenschaft und erforschte die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für Design und Kunst. So zeichnete und formte Andersen Bilder und Skulpturen, die aus vielen identischen, zum Teil grafischen Elementen aufgebaut waren. Bereits Ende der 1940er / Anfang der 1950er Jahre zeichnet Andersen Muster, die sich aus geometrischen Formen zusammensetzen und betrieb Studien über die Farblehre – lange bevor einige seiner Landsmänner auf diesen Zug aufsprangen.

Skulpturale Stühle

Als bildender Künstler waren skulpturale Formen eine der besonderen Stärken Aagaard Andersens. So experimentierte der Däne mit Papier, welches sich biegen, falten und reißen lässt und verarbeitet diese Techniken zunächst in Gemälden. Im Jahre 1952 formte er eine Sitzskulptur aus Draht, welche die Negativform seines eigenen Hinterteils als Sitzender abbildete, und verkleidete dieses Gerüst mit Papierstücken einer Tageszeitung. Diese Formfindung eines sogenannten ‚Kragstuhls‘ basierte auf dem Prinzip von Pappmaché, welches gerne für die Herstellung von Modellen benutzt wurde und seinerzeit eine ähnlich bedeutende Rolle hatte wie heute Kunststoffe. Dieser Stuhl, dem Aagaard Andersen keinen Namen gab, wurde 1953 fertig und in Ausstellungen und der Zeitschrift ‚mobilia‘ vorgestellt. Er ist unter anderem im Buch „1000 Chairs“ von Charlotte und Peter Fiell verewigt. Hier heißt es, Zitat: „Prototyp aus Maschendraht und Zeitungspapier, sollte aus gepresstem Aluminium oder aus fiberglasverstärktem Kunststoff gefertigt werden.“ Die Form war so neu, dass Aagaard Andersens Landsmann Poul Kjaerholm diese durch einen eigenen Stuhlentwuf interpretierte. Er ist Teil der Sammlung des Dänischen Nationalmuseums, welches die Kulturgeschichte Dänemarks repräsentiert.

„Portrait of My Mother’s Chesterfield Chair“

Gunnar Aagaard Andersen arbeitete unermüdlich und ging über die Grenzen traditioneller bildender Kunst hinaus. In den 1960er Jahren entdeckte Aagaard Andersen das Material Polyurethan und erschuf daraus den Sessel „Portrait of My Mother’s Chesterfield Chair“, einen unkonventionellen Sessel, der 1964 fertig wurde und unter anderem im MoMA ausgestellt ist.

Aagaard Andersen und andere Künstler, Designer und Architekten

Aagaard Andersen war beliebt in der Künstlerszene und bekannt mit einer Vielzahl von Architekten, Designern und Künstlern. Als Gründer und Mitglied einiger Künstlerbewegungen gingen die Gestalter seiner Zeit in seinem Atelier und Wohnhaus, dem Munkeruphus in dänischen Küstenort Dronningmølle-Hornbæk, ein und aus. Bereits seit den 30er Jahren war die Gegend in der nördlichen Region Zeelands eine beliebte Sommerdependance dänischer Künstlern und Designer. So unterhielt auch der Architekt und Designer Poul Henningsen hier ein Sommerhaus. Und auch Verner Panton, der 1950 mit der Stieftochter Henningsens verheiratet war, kaufte später ein Sommerhaus in Hornbæk.

Dänische Designszene in den 1950ern

Und auch beim dänischen Stoffproduzenten Unika-Væv, dessen Logo Aagaard Andersen entwarf und wo er u.a. als Grafiker tätig war, liefen seit den 1950er Jahren die Fäden in der dänischen Designszene zusammen. Im Jahre 1955 entwarf Aagaard Andersen das Logo für das dänisches Designmagazin ‚mobilia‘, das sich hauptsächlich mit Möbeln, aber auch mit Innenarchitektur, Architektur und Kunst. Hier stellte er einen Teil seiner Designentwürfe vor und war für das Magazin bis zu seinem Tode tätig. ‚Letters‘, der wohl bekannteste Stoffentwurf Aagaard Andersens, entstand ebenfalls in 1955.

Autor der Biografie: Bianca KILLMANN
Die Biografie ist urheberrechtlich geschützt.

Gunnar Aagaard Andersen Design, das von TAGWERC hergestellt wird.

Aagaard Andersen Dessin Letters